Kinder und Gewalt

Täglich durchstöbere ich zumindest kurz einige Elternblogs. Gestern wurde mir bei Facebook mal wieder ein Blogpost angezeigt, bei dem ich hätte weinen können, als ich ihn gelesen habe. 

Kurz zusammengefasst ging es darum, dass eine Frau erzählt, dass sie als Kind aufgrund eines Fehlverhaltens ihrerseits von ihrer Mütter geschlagen wurde. Diese hat den Schlag sofort bereut und begonnen zu weinen. Das Kind, sprich die Bloggerin, hat die Mutter daraufhin getröstet. Sie erklärt in ihrem Post, dass sie genau in dem Moment die Liebe zwischen ihr und ihrer Mütter gespürt habe, da die Mutter ja entsetzt über ihre Handlung gewesen ist. 

Natürlich gab es wieder ohne Ende Kommentare à la, man solle sich nicht als Übermutter präsentieren, jeder schlägt mal, eine Ohrfeige habe niemandem geschadet, jeder macht Fehler… Ich kann ganz klar sagen, NEIN! Ich habe meine Kinder noch nie geschlagen und würde es auch nicht tun! Zudem beginnt für mich Gewalt gegen ein Kind darin, wenn ich ein Kind am Arm reiße oder ihm auf die Finger haue!

Ja, ich mache jeden Tag 1000 Fehler, vielleicht noch mehr, aber niemals würde ich eines meiner Kinder schlagen. Nichts und niemand gibt mir das Recht sowas zu tun. 

Es gibt Momente, da fordert dein Kind dich heraus, bis zu einer Schmerzgrenze, die du vorher nicht kanntest. Es gibt Situationen, in denen bist du einfach fassungslos. Und? Auch sowas gehört zum Leben dazu. Es ist anstrengend, verdammt anstrengend, aber diese Situationen gibt es nun mal und man muss sie handeln. Mal verlässt man dann den Raum, mal diskutiert man und vielleicht schimpft man auch an manchen Tagen, aber niemals schlägt man. Welche Basis haben mein Kind und ich, wenn es Angst vor mir haben muss und ich es durch Gewalt zu etwas bringe, was es eigentlich nicht möchte? 

Und ganz, ganz schlimm finde ich auch, dass das Kind in der beschriebenen Bloggerinnensituation das absolut ekelhafte Verhalten der Mutter entschuldigt. Was allerdings ja ein ganz bekanntes Muster ist. 

Ich muss mich an manchen Tagen auch durchsetzen, ansonsten wäre Noah heute zB heute ohne Hose und Socken in den Kindergarten gewandert. Es gab dicke Tränen darum, aber wir haben eine Einigung gefunden.

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5 Gedanken zu “Kinder und Gewalt

  1. Ich stimme Dir voll und ganz zu. Schläge, auch „nur“ eins auf den Hintern , sind ein absolutes NoGo. Es gibt für alles eine Lösung. Schläge , bzw Gewalt ansich, sind absolut keine Lösung. Erst recht nicht Kindern gegenüber. Egal wie sehr die Kids einen reizen.
    Liebe grüße Marnie

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  2. Ich verstehe dich, aber auch die Bloggerin sehr gut. Ich bin komplett gegen Gewalt in der Erziehung und meine Eltern waren das auch immer. Trotzdem ist meiner Mutter genau einmal die Hand ausgerutscht. Ich und meine jüngere Schwester hatten sie den ganzen Tag lang gereizt und sie war durch mit den Nerven. Etwa eine halbe Stunde später saßen wir im Auto. Sie hatte seit dem Vorfall kaum was gesagt und wir Kinder genauso wenig. Sie ist dann plötzlich an der Seite raus gefahren, hat meine Autotür geöffnet und sich heulend bei mir entschuldigt, weil sie so ein schlechtes Gewissen hatte. Soll ich sie dafür jetzt verurteilen? Sie fand die Ohrfeige ja selbst viel schlimmer als ich und es kam davor und danach nie wieder vor. Das als „absolut ekelhaftes verhalten“ zu bezeichnen ist ziemlich krass formuliert. Es hat meinem selbstbewusstsein auch null geschadet. Wir haben an dem Tag noch lange darüber geredet, dass niemand jemals das Recht hat mich zu schlagen oder anzufassen und dass das auch meine Eltern einschloss.

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    1. Ich überlege seit gestern was ich wohl antworte. Ich finde es sehr toll das deine Mama damals gemerkt hat das es ein Fehler war zu schlagen, allerdings hätte es halt echt nicht passieren dürfen. Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Nachrichten diesbezüglich erhalten, die verdammt ehrlich waren. Scheinbar passiert sowas wie du schilderst “ in den besten Familien“ und doch denke ich, für mich ganz persönlich das es unverzeihlich ist. Besonders toll finde ich daher, dass du da so viel souveräner drüber denkst, als ich. Ich bin aber generell auch seeeehr nachtragend;)

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  3. Ich teile deine Meinung voll und ganz. Ich habe selber zwei Kinder, und ja es kann anstrengend werden. Ausgereizt bis an die Grenzen, ich selber musste als Kind viel Gewalt erfahren.
    Vielleicht hat mich dies in meinem Leben zwar schneller erwachsen und selbstständiger gemacht, aber das entschuldigt dieses Verhalten auch nicht.
    Meine Kinder werden auch selbstständig mit Liebe und Geborgenheit , ich selber habe daher zu meinen Eltern keinen Kontakt mehr obwohl ich ihnen gerne mal ihre Enkelkinder zeigen würde.
    Um ihnen zu beweisen das es auch anders geht.

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